Hoch- und Tiefstatus

So wirken Sie souverän und gewinnen an Ausstrahlung

Kennen Sie die Situation: Sie nehmen sich fest vor, ein besseres Gehalt auszuhandeln. Bereiten sich bestens auf das Gespräch vor. Arbeiten eine Argumentationskette aus. Und sitzen endlich der Person, mit der Sie über die Höhe Ihres Gehalts verhandeln wollen, gegenüber.

Sie nennen Ihr erstes Argument. Merken, dass es an Ihrem Gegenüber abprallt. Die eben noch gefühlte Stärke verpufft. Sie sacken in sich zusammen und kommen sich klein vor.

Wie konnte das passieren? Wie konnte Ihr Gegenüber so schnell Oberwasser bekommen? Lag’s an der hierarchischen Beziehung zwischen Ihnen und der Person, die die Gehaltserhöhung bewilligt?  Lag’s an den Argumenten? Der Sitzhaltung? Der Wortwahl? Wahrscheinlich hat ein Mix aus all diesen Punkten zu der Wahrnehmung geführt, in dem Gespräch unterlegen zu sein.

Was in einer Begegnung oder in einem Gespräch zwischen zwei Menschen automatisch abläuft, ist ein Statusspiel. In wenigen Augenblicken entscheidet sich, wer welchen Status einnimmt. Wir unterscheiden zwischen Hochstatus, Tiefstatus und Gleichstatus.

Im Hochstatus zeigen Sie Selbstbewusstsein, wirken kompetent und übernehmen die Regie des Gesprächs. Im Tiefstatus zeigen Sie unterlegenes Verhalten und geben die Kontrolle über das Gespräch ab. Wenn Sie mit Ihrem Gegenüber im Gleichstatus sind, fühlen Sie sich  ebenbürtig  und teilen sich die Regie des Gesprächs.

Bei Statusspielen spielt die hierarchische Stellung des Gegenübers nur eine untergeordnete Rolle. So können Sie auch in einer Gehaltsverhandlung im Gleichstatus mit Ihrer Führungskraft sein. Die Forderung nach einer besseren Bezahlung ist schließlich berechtigt. Wer sich allerdings als Bittsteller sieht, wird vermutlich von Beginn an eine untergeordnete Rolle einnehmen und damit im Tiefstatus sein.

Status: verwirrender Begriff

Der persönliche Status meint in diesem Sinne nicht, was Sie besitzen, sondern was Sie sind, wenn Sie anderen begegnen. Status ist ein Produkt aus Ihren Gedanken, Ihrer inneren Haltung und Ihrem Verhalten, wenn Sie andere treffen – sichtbar und hörbar in der Körpersprache, Stimme und Redeweise.

Der Hochstatus ist übrigens alles andere als arrogant. Als Führungskraft können Sie zum Beispiel innerlich stabil und selbstbewusst auftreten und damit anderen Raum und Zeit geben.

Sichtbare Statusmerkmale

Körpersprachliche Merkmale für den Hochstatus sind:

  • eine ruhige Kopfhaltung, 
  • aufrechte Körperhaltung, 
  • direkter Blick,
  • raumgreifende Schritte.

Körpersprachliche Merkmale für den Tiefstatus sind

  • ein leicht gesenkter Kopf, womöglich etwas zur Seite geneigt, 
  • ein eher unruhiger Blick, leicht von unten nach oben, 
  • verhaltene Körperhaltung, als wolle die Person unbemerkt bleiben und bloß nicht auffallen, 
  • wenig kraftvolle Bewegungen.

Auch in der Sprache unterscheiden sich Hoch- und Tiefstatus. Menschen im Hochstatus verwenden klare Aussagen, Menschen im Tiefstatusreden ehr um den heißen Brei herum und verwässern ihre Aussagen durch Begriffe wie vielleicht oder Konjunktive wie würde, könnte, sollte.

Wenn Ihre innere Haltung noch nicht so recht ausgegoren und gefestigt ist, wenn Sie zu große Zweifel haben, ob Ihre inhaltliche Position denn nun wirklich richtig ist, werden Sie sehr wahrscheinlich in den inneren wie äußeren Tiefstatus verfallen.

Je klarer Ihre innere Haltung ist, mit der Sie in eine Situation hineingehen, desto leichter ist es für Sie, in den Hochstatus zu kommen und selbstbewusst zu wirken. Ihre Körperhaltung ist dann kraftvoller und dynamischer. 

Was ist mein Status?

Machen Sie sich Ihren eigenen Status immer mal wieder bewusst, indem Sie sich fragen:

  • In welchem Status befinde ich mich gerade innerlich wie äußerlich?
  • Wie verhalte ich mich in diesem Status (Körpersprache, Wortwahl)
  • Welchen Status zeigt mein Gegenüber?
  • Welchen Status weist sie / er mir zu?
  • Nehme ich das Statusangebot meines Gegenübers an?
  • Mache ich ein eigenes Statusangebot?

Status ist dynamisch

Status ist etwas Dynamisches. Er kann in einem Gespräch selbstverständlich  wechseln. Je nachdem an welcher Stelle Sie gerade sind oder welches  Thema Sie besprechen.

Es gibt auch kein gut oder schlecht. Weder der Hoch- noch der Tiefstatus sind für sich allein und dauerhaft prima. Es ist die Kombination aus beiden und deren flexibler Einsatz.

Im Tiefstatus wirken wir zwar nett und umgänglich, aber wenn Sie zum Beispiel eine Gehaltserhöhung wollen, brauchen Sie den Hochstatus mit dem entsprechenden Verhalten.

Nächster Beitrag
Nun mal ehrlich, wie vorurteilsfrei und aufgeschlossen sind Sie?
Vorheriger Beitrag
Wie Ihr Selbstbild die Haltung Ihrer Mitarbeiter*innen beeinflusst