Manchmal scheint eben nicht die Sonne

Immer positiv denken zu müssen nervt

Sei die beste Version deines Selbsts!

Glück ist eine Entscheidung!

Du bist deines Glückes Schmied.

Ja, mag irgendwie alles sein. Aber das Leben ist hart und irgendetwas geht immer schief. Die Aufforderung „Denk positiv!“ ist – so meine Vermutung – häufig ein bequemes Davonschleichen vor einer intensiven Auseinandersetzung und Beschäftigung mit den momentanen Befindlichkeiten seines Gegenübers.

Denk positiv! – Nein, danke! 

Alle diese Ratschläge, allen voran das schnell rausgehauene „Denk positiv“ nerven und bauen einen einen sinnlosen Erwartungsdruck auf. Gesellschaftliche Probleme, Zumutungen in Organisationen und Betrieben oder Erkrankungen werden auf eine individuelle Ebene verlagert und machen den Einzelnen für sein Schicksal allein verantwortlich. Das treibt teilweise sehr seltsame Blüten. So wird sogar Krebspatienten immer wieder Verantwortung an ihrer Erkrankung unterstellt. Der Glaube, dass Krebs in irgendeiner Weise mit seelischen Belastungen und Stress zusammenhängt, hält sich hartnäckig. Dabei ist diese Behauptung wissenschaftlich überhaupt nicht haltbar.

Trauer, Schmerzen und Verdruss haben auch wichtige Funktion

Wer zwanghaft nach etwas Positivem sucht, was Trauer, Schmerzen, Ohnmachtsgefühle oder Verdruss bereitet, will oft alle negativen Gemütszustände ausradieren. Dabei haben Trauer, Schmerzen,  Ohnmachtsgefühle und Verdruss aber auch eine wichtige Funktion. Trauer zeigt, wie verheerend Leid ins Leben einbrechen kann, und sorgt dafür, den Schatten des Todes in den Kern der eigenen Existenz zu integrieren. Schmerz ist ein wirkungsvoller Schutzmechanismus des Körpers. Gefühle wie Wut und Zorn sind oft die Initialzündung für Veränderungen und Handlungen raus aus einem Gefüge, das nicht (mehr) stimmig ist.

Wir sollten Negatives als Teil unserer Existenz auffassen, statt Leid und Scheitern ständig als Startrampe für die Entdeckung des dahinterliegenden Positiven zu sehen. Und statt andauernd positiv zu denken, sollten wir ruhig mal schimpfen und fluchen. Denn das ist oftmals befreiend und hilft, die Bürden des Lebens besser zu ertragen.

„Denk positiv“ schützt vor Auseinandersetzung

„Denk positiv“ ist schnell gesagt und passt, wann immer uns jemand mit seinen Sorgen und Nöten konfrontiert. Vermutlich liegt genau darin der Reiz des „Denk positiv“. Wie das überhaupt gehen soll, welche Ängste, Wünsche und Bedürfnisse hinter den Gefühlen liegen, bleibt dabei völlig außen vor. Ja, ist demjenigen, der den Tipp gibt, womöglich auch ganz egal.  Denn mit „Denk positiv“ schlüpft man in die Rolle der optimistischen Lebensberatung. Gleichzeitig hilft der Satz, vor einer tieferen Auseinandersetzung mit den Nöten und Sorgen meines Gegenübers verschont zu bleiben. Die Verantwortung liegt nun bei demjenigen, der denkt, dass einiges schlecht, hart oder verdammt traurig ist: „Denk erst mal positiv. Dann wird das schon wieder. Und wenn nicht, denk einfach noch positiver.“

Sie sehen, es gibt gute Gründe, den Satz „Denk positiv“ und alle anderen Sätze, die in diese Richtung gehen, aus dem eigenen „Gute-Ratschläge-Reservoir“ zu streichen. Für den Fall, dass Sie einen dieser Tipps bekommen, lehnen Sie einfach ab: „Nein, danke!“

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