Macht – auch so ein Wort, über das hartnäckige Denkmuster existieren

Wer Mitarbeiterführung übernimmt, wird vom ersten Tag an mehr Einfluss, mehr Autorität und mehr Macht besitzen. Auch wegen dieser Ausstattung mit mehr Machtbefugnissen ist es für viele reizvoll, Führungsverantwortung zu übernehmen. Macht verleiht Geltung, Macht steigert das Ansehen und macht sexy. Wer Macht innehat, kann davon ausgehen, von anderen als Autoritätsperson wahrgenommen zu werden. Dennoch ist der Aspekt Macht ein sehr ambivalentes Thema. Denn irgendwie scheint der Begriff mit einem Tabu belegt zu sein.

Sobald es um das Thema Macht geht, winken viele angehende und auch gestandene Führungskräfte ab: Nein, nein, um Macht gehe es einem nicht usw. Es scheint völlig undenkbar zu sein, das Streben nach mehr Macht als ein Motiv für Führungsverantwortung anzugeben. Hat es damit zu tun, dass man sich selbst als ohnmächtig erlebt, wenn man die Macht einer Instanz erfährt? Oder damit, dass die Begriffe, die sich um Macht ranken, einen oftmals düsteren Klang haben: Machthaber, Machtapparat, Machtkampf, Machtgehabe.

Dabei hat das Wort einen durchaus sympathischen Ursprung. Im Althochdeutschen bedeutete es Können, Fähigkeit, etwas bewirken, das Vermögen, etwas zu tun. Mit diesen Bedeutungen verknüpft man heute eher die dynamisch klingenden Wörter machen und Macher*in als den massiv tönenden Begriff Macht.

Die Facetten der Macht sind überaus vielschichtig. Sie reichen von einer machtbewussten Ausstrahlung über aggressive Gesten wie mit der Hand auf den Tisch zu hauen, um ein Machtwort zu sprechen, bis hin zu Formen des Redens und Handelns. Dazu gehört andere warten zu lassen, mehr Redezeit zu beanspruchen oder Gespräche zu dominieren: „Sie müssen aber bedenken, dass …“ und „Wir machen das jetzt so – basta!“

Ohne Macht kein Führungsanspruch?

Allerdings: ohne Macht lässt sich wohl kein Führungsanspruch ableiten und keine Entscheidung durchsetzen. Macht wird von Mitarbeiter*innen als legitimer Teil der Führungsrolle akzeptiert, solange die Macht nicht für eigene Zwecke missbraucht wird.

Und natürlich macht die Macht was mit einem. Philip Zimbardo, Psychologe und berühmt geworden durch das Stanford-Gefängnis-Experiment, sagt: „Macht verändert unweigerlich – zum Guten oder zum Schlechten.“

Macht erhält interessanterweise niemand, der unfreundlich, autoritär und rücksichtslos ist. Im Gegenteil. Im beruflichen Kontext steigen besonders leicht die Kolleginnen und Kollegen auf, die beliebt sind. Ohne ein gewisses Machtstreben kommt aber wohl niemand in eine leitende Position. Der Wunsch nach mehr Einfluss und ein gewisses Durchsetzungsvermögen müssen auch von anderen wahrgenommen werden.

Was bedeutet Macht für Sie?

Finden Sie sich in einer der folgenden Beschreibungen wieder?

  1. Sie stehen zu Ihrem Wunsch, als angehende Führungskraft oder in Ihrer aktuellen Rolle als Führungsperson Macht auszuüben, um Dinge durchzusetzen oder Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Da Sie wissen, dass die Reflexion des eigenen Machtgebrauchs wichtig ist, holen Sie immer wieder Feedback ein.
  2. Sie hadern mit der Erwartung an Machtausübung. Sie wissen zwar, dass es ganz gut wäre, wenn Sie ab und zu mal von Ihrer Macht Gebrauch machen und sich durchsetzen würden, wollen aber auch niemandem vor den Kopf stoßen.
  3. Sie wären gern Führungskraft, doch vor dem Wort „Macht“ und allem, was dazugehört, schaudert Ihnen.

Für diejenigen, die sich in der ersten Beschreibung wiederfinden, ist ehrliches Feedback großartig. Denn wie wollen Sie sonst herausfinden, wie es um Ihren Machtgebrauch bestellt ist? Das können nur andere beurteilen. Durch Feedback sind Sie geschützt vor Machtmissbrauch.

Für diejenigen, die sich in Beschreibung 2 wiederfinden: Woher wissen Sie, dass Sie jemandem vor den Kopf stoßen, wenn Sie von Ihrer Macht Gebrauch machen und etwas durchsetzen wollen? Wie erleben Sie Macht?

Für diejenigen, die sich in Beschreibung 3 wiederfinden: Überlegen Sie mal, welche Auswirkung ein zu geringes Machtbewusstsein auf Ihre Arbeit als Führungskraft haben könnte?

Wenn Sie den Fragen und Ihren Antworten gern in einem Coaching noch tiefer auf den Grund gehen wollen, schreiben Sie mir einfach eine E-Mail oder rufen Sie mich an: +49 (0) 160 96479770

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