Nach dem Nutzen von Glaubenssätzen fahnden

Der heimliche Gewinn von Glaubenssätzen

Kennen Sie Ihre einengenden Glaubenssätze? Glaubenssätze wie zum Beispiel „Ich kann mich nicht präsentieren?“ oder „Ich kann einfach nicht NEIN sagen, wenn mich jemand um einen Gefallen bittet“.

Solche gedanklichen Dauerschleifen nerven und verhindern häufig Zufriedenheit mit sich selbst. Denn irgendwie möchte man sich ja präsentieren oder besser darstellen, um auch mal ein großes Projekt zu bekommen. Oder man möchte ehrlich und überzeugend sagen, dass es im Moment nicht passt, der Bitte um einen Gefallen nachzukommen.

Aber ehe wir uns versehen, knicken wir doch wieder ein, trommeln im nächsten Meeting nicht für uns und katapultieren uns damit wieder nicht in die erste Reihe bei der nächsten Projektvergabe. Oder bieten doch wieder unsere Unterstützung an, obwohl wir selbst so viel Arbeit und andere Verpflichtungen haben.

Die Nachteile unserer inneren Überzeugungen liegen häufig auf der Hand. Beim Beispiel „Ich kann mich nicht präsentieren!“ sind die Nachteile möglicherweise:

  • Mein Selbstwert leidet.
  • Ich bin nicht präsent, werde kaum wahrgenommen.
  • Die anderen fragen mich nicht nach meiner Meinung / meinem Standpunkt.

Die Nachteile von „Ich kann einfach nicht NEIN sagen, wenn mich jemand um einen Gefallen bittet“ könnten sein:

  • Ich fühle mich gestresst.
  • Ich vernachlässige die Dinge, die mir wichtig sind.
  • Ich ärgere mich über mich und mein Nachgeben.

Nach dem heimlichen Gewinn von Glaubenssätzen fahnden

Wie kommt das? Wenn man die eigenen Glaubenssätze und ihre negativen Folgen kennt, müsste es doch ganz einfach sein, sie durch die gewünschte Handlung zu ersetzen, oder? Schön wär’s! Denn ein selbstlimitierender Glaubenssatz birgt neben den Nachteilen auch einen Gewinn – und zwar einen heimlichen. Dieser Gewinn ist es, der ein anderes Verhalten oder eine Weiterentwicklung verhindert. Und deshalb lohnt es sich, ihn zu identifizieren.

Die Gewinne aus dem einengenden Glaubenssatz sind alles andere als sexy. Sie geben erst mal kein so gutes Bild von uns ab. Deswegen haben wir sie ja auch tief in uns versteckt.

Außerdem geben wir den Nutzen von etwas geben nur ungern auf. Denken Sie nur an das Futtern von Schokolade oder Chips. Klar wissen wir, dass eine ganze Tafel oder eine ganze Tüte Chips nicht unbedingt gut für Figur und Gesundheit sind. Aber deswegen aufhören? Es ist doch gerade so lecker! Der Genuss ist der Gewinn. Oder der Trost, wenn die Schokolade den Frust verscheuchen soll.

Beispiele für heimliche Gewinne

Der heimliche Nutzen von „Ich kann mich nicht präsentieren!“ könnte sein:

  • Ich brauche keine Meinung zu haben.
  • Ich kann mich zurücklehnen und die anderen reden lassen.
  • Ich muss mich nicht sonderlich vorbereiten.
  • Ich muss keine Verantwortung übernehmen.

Wenn Sie den heimlichen Nutzen mit den Nachteilen des Glaubenssatzes vergleichen, so wird ganz gut klar, warum der Glaubenssatz so hartnäckig ist und sich nicht so einfach durch die Nachteile verscheuchen lässt, oder? Die einzelnen Gewinne wirken ja durchaus attraktiv:

  • Sich nicht vorbereiten zu müssen!
  • Keine Verantwortung übernehmen zu müssen!

Beides kann in einem anspruchsvollen Arbeitsalltag verheißungsvoll sein. Weswegen sich also selbst präsentieren? Um es womöglich noch anstrengender zu bekommen? Unbewusst wägen wir ab, was wir verlieren könnten, wenn der Glaubenssatz keine Rolle mehr spielen würde und wir uns ab sofort anders präsentieren würden. Wollen wir die heimlichen Gewinne wirklich aufgeben? Diese Entscheidung gilt es zu treffen.

Was könnte der heimliche des Glaubenssatzes „Ich kann einfach nicht NEIN sagen“ sein?

Vielleicht:

  • Ich verliere die Zuneigung der anderen.
  • Ich kann dann nicht mehr das gute Gefühl, gebraucht zu werden.
  • Ich kriege dann nicht mehr die Schwächen der anderen mit, die das, worum sie mich bitten, nicht allein schaffen.

Sie sehen an diesen Beispielen auch, dass es oft leichter ist, über die Nachteile von einengenden Glaubenssätzen nachzudenken als über die heimlichen Gewinne. Denn wer gesteht sich schon gern ein, sich vom Gefühl, die Schwächen der anderen kennen zu wollen, lenken zu lassen. Oder von der Unlust auf Verantwortung?

Verantwortung für den heimlichen Gewinn übernehmen

Wenn Sie Ihren einengenden Glaubenssatz kennen und ihn gegen einen stärkenden austauschen wollen, machen Sie sich am besten zuerst klar, was der heimliche Gewinn dieses Glaubenssatzes ist. Anschließend können Sie bewusst und selbstverantwortlich entscheiden, ob Sie den heimlichen Gewinn auch in Zukunft wollen oder ob Sie Ihr Verhalten Schritt für Schritt in Richtung Wunschbild verändern (Nein sagen zu dürfen, wenn Sie mit Ihren eigenen Aufgaben und Verpflichtungen schon genug zu tun haben; sich in den nächsten Meetings ins Spiel zu bringen, um auch mal Renommierprojekte zu bekommen).

Nächster Beitrag
Der Halo-Effekt: Segen und Fluch
Vorheriger Beitrag
Die 7 häufigsten Redeticks, die Ihre Wirkung beim Sprechen aushebeln
Menü